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Wie läuft eine Probe der eigenen Rede im Probenraum ab?
Journal Redeauftritt

Wie läuft eine Probe der eigenen Rede im Probenraum ab?

Die Frage, die uns am häufigsten erreicht: Was passiert, wenn Sie Ihre Rede bei uns proben? Ein ruhiger Überblick über Ablauf, Publikum, Rückmeldung und Vorbereitung.

Miriam Köhler 5 Minuten Lesezeit

Die Frage, die wir am häufigsten hören

Fast jedes Erstgespräch beginnt mit derselben Frage: Was geschieht eigentlich, wenn ich meine Rede bei Ihnen probe? Dahinter steht meist keine Neugier auf Methodik, sondern eine leise Sorge. Viele Führungskräfte und Redner haben Auftritte hinter sich, aber selten die Gelegenheit gehabt, ihre Wirkung in einem geschützten Rahmen zu prüfen. Im Alltag bekommt man Rückmeldung entweder gar nicht oder erst, wenn der Auftritt vorbei ist.

Der Probenraum ist genau dafür gedacht. Sie bringen Ihre eigene Rede mit, so wie Sie sie halten wollen, und tragen sie vor einem kleinen Publikum vor. Niemand bewertet Ihren Inhalt, und niemand verlangt, dass Sie anders sprechen als gewohnt. Es geht um die Wirkung: wie Sie stehen, wie Sie atmen, wo Ihre Stimme trägt und wo sie nachlässt.

Ich unterrichte als Dozentin für Bühnenpräsenz und komme vom Schauspiel. Dort ist die Probe der normale Ort, an dem man Dinge ausprobiert und wieder verwirft. Diese Selbstverständlichkeit möchten wir auch für Redner schaffen, die sonst nur den Ernstfall kennen.

So verläuft ein Probentermin

Ein Termin beginnt ohne Eile. Zunächst sprechen wir kurz über den Anlass: Wo halten Sie die Rede, vor wie vielen Menschen, wie lange dauert sie. Dann stellen Sie sich in den Raum und beginnen. Es gibt keine Einführungsübung, die Sie von Ihrem Text ablenkt. Sie sprechen so, als wäre das Publikum bereits Ihr Publikum.

Beim ersten Durchgang greife ich nicht ein. Ich beobachte Stand, Blickführung, Atemrhythmus und die Stellen, an denen Ihre Spannung steigt. Danach folgt eine ruhige Rückmeldung, die auf wenige Punkte begrenzt bleibt. Zehn Hinweise auf einmal helfen niemandem; zwei oder drei, die Sie sofort umsetzen können, verändern oft mehr als eine lange Liste.

Im zweiten Durchgang setzen Sie diese Punkte um. Häufig ist der Unterschied schon hörbar: Pausen werden länger, der Satzbeginn sicherer, die Schultern lösen sich. Wir wiederholen einzelne Passagen so oft, bis sich die neue Haltung natürlich anfühlt und nicht mehr wie eine Aufgabe.

  • Kurzes Gespräch über Anlass, Raum und Publikum
  • Erster Durchgang ohne Unterbrechung
  • Wenige, konkrete Rückmeldungen
  • Zweiter Durchgang mit den vereinbarten Änderungen

Was das Publikum im Probenraum leistet

Ein Publikum verändert alles, auch wenn es klein ist. Allein vor dem Spiegel oder vor der Kamera sprechen Sie anders als vor Menschen, die Ihnen zuhören. Die Aufmerksamkeit anderer erzeugt jene leichte Anspannung, die auch im Saal entsteht, und genau mit ihr möchten Sie üben.

Die Zuhörer im Probenraum sind keine Prüfer. Sie sitzen da, hören zu und geben auf Wunsch einen kurzen Eindruck wieder: Wo wurde es klar, wo wurde es unruhig. Diese Beobachtungen sind oft aufschlussreicher als jede Theorie, weil sie zeigen, wie Ihre Rede tatsächlich ankommt und nicht, wie Sie sie gemeint haben.

Diskretion gehört zu unseren Werten. Was im Probenraum vorgetragen wird, bleibt dort. Das gilt für Inhalte, die noch nicht öffentlich sind, ebenso wie für Unsicherheiten, die Sie nicht vor Kollegen zeigen würden. Viele unserer Teilnehmer sagen, dass erst diese Verlässlichkeit das freie Ausprobieren möglich macht.

Wie Sie sich vorbereiten

Sie müssen nichts auswendig können. Wer mit Manuskript oder Stichwortkarten kommt, kann diese ebenso nutzen wie im späteren Auftritt. Wichtig ist, dass der Text in der Form vorliegt, in der Sie ihn halten möchten, damit die Rückmeldung zu Ihrer tatsächlichen Situation passt.

Hilfreich ist ein kurzer Gedanke vorab: Wo fühlen Sie sich unsicher? Manche spüren, dass die Stimme im letzten Drittel dünn wird, andere merken, dass sie zu schnell sprechen, sobald es um Zahlen geht. Solche Beobachtungen nehmen wir gern als Ausgangspunkt, auch wenn sie nur vage sind.

Bequeme Kleidung, in der Sie sich aufrecht bewegen können, genügt. Wenn Sie Schuhe tragen, die Sie auch im Auftritt tragen würden, umso besser, denn der Stand beginnt am Boden. Weitere Hilfsmittel brauchen Sie nicht; Raum, Zeit und Aufmerksamkeit stellen wir.

  • Rede in der Form mitbringen, in der Sie sie halten
  • Eine eigene Beobachtung zur Unsicherheit notieren
  • Bequeme Kleidung und passende Schuhe wählen

Was Sie mitnehmen und was nicht

Nach einem Termin kennen Sie die zwei oder drei Stellschrauben, die Ihren Auftritt am deutlichsten verändern. Sie haben die Rede mindestens zweimal gesprochen, mit und ohne diese Änderungen, und wissen, wie sich der Unterschied anfühlt. Das ist ein realistisches Ergebnis für eine einzelne Probe.

Nicht mitnehmen sollten Sie die Erwartung, dass ein Termin eine lang gewachsene Gewohnheit auflöst. Atem, Stand und Stimmführung verändern sich durch Wiederholung. Wer regelmäßig übt, festigt, was im Probenraum begonnen wurde; wer es bei einer Probe belässt, hat zumindest ein klares Bild seiner Stärken.

Garantien über den Erfolg eines Vortrags geben wir nicht, denn dieser hängt von vielem ab, das außerhalb des Probenraums liegt. Was wir zusagen können, ist eine ehrliche, ruhige Rückmeldung und die Gelegenheit, den Auftritt vorher in Ruhe zu erleben.

Die Probe der eigenen Rede ist kein Test, sondern ein Raum zum Ausprobieren. Sie sprechen vor Menschen, erhalten wenige klare Hinweise und setzen diese sofort um. In diesen Herbstwochen, in denen viele Tagungen und Jahresversammlungen anstehen, ist das eine ruhige Möglichkeit, sich auf den Auftritt vorzubereiten. Wenn Sie Fragen zum Ablauf haben, erreichen Sie uns über die Anfrage.