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Hinter den Kulissen: Wie wir Atemstütze im Studio üben
Journal Stimmarbeit

Hinter den Kulissen: Wie wir Atemstütze im Studio üben

Miriam Köhler zeigt, wie eine Stunde zu Zwerchfellatmung und Stimmkraft tatsächlich abläuft: vom ersten Ankommen über Resonanzübungen bis zur Probe mit Ihrem eigenen Text.

Miriam Köhler 4 Minuten Lesezeit

Der Beginn: erst ankommen, dann atmen

Wer zu uns in die Marktstätte kommt, hat meist einen vollen Tag hinter sich. Deshalb beginnt keine Stunde mit Übungen, sondern mit zwei, drei Minuten Stille im Stehen. Wir lassen die Schuhe an, die Knie weich, die Arme hängen. Niemand muss etwas leisten. In dieser Zeit beobachte ich, wie jemand steht, wo die Schultern sitzen und ob der Atem hoch im Brustkorb bleibt.

Dieser Blick ist der eigentliche Anfang der Arbeit. Bevor wir etwas verändern, sprechen wir darüber, was Sie bemerken: Wo spüren Sie Spannung, wann wird der Atem flach, was geschieht kurz vor einem Auftritt? Diese Beschreibung ist wertvoller als jede Vorgabe von außen, denn Sie werden die Übungen später allein anwenden und müssen Ihre eigenen Signale erkennen.

Die Hände am Rippenbogen

Die erste körperliche Übung ist unscheinbar: Sie legen die Hände seitlich an den unteren Rippenbogen und atmen aus, ohne zu drücken. Beim Einatmen soll sich der Raum unter Ihren Händen weiten, nach hinten und zur Seite, nicht nur nach vorn. Viele erleben das zum ersten Mal und sind überrascht, wie wenig Anstrengung es braucht.

Ich korrigiere in dieser Phase selten mit Worten. Meist genügt eine leichte Berührung am Rücken oder ein Hinweis, die Schultern sinken zu lassen. Wir wiederholen die Übung liegend, sitzend und stehend, weil sich der Atem in jeder Lage anders verhält. Erst wenn die Weite im Stehen verlässlich ist, gehen wir zur Stimme über. Das kann in einer Stunde geschehen oder erst in der dritten.

  • Hände seitlich am Rippenbogen, Ausatmen ohne Druck
  • Weite nach hinten und zur Seite spüren
  • Dieselbe Übung liegend, sitzend, stehend

Vom Atem zum Klang

Sobald der Atem trägt, kommt der Ton dazu. Wir beginnen mit einem langen, leisen Summen und verfolgen, wo es im Körper schwingt: an den Lippen, im Brustbein, im Hinterkopf. Resonanz ist kein Effekt, den man erzeugt, sondern ein Raum, den man freigibt. Ich bitte Sie, den Klang eher zu hören als zu formen.

Danach öffnen wir den Mund und wechseln auf Vokale, dann auf einzelne Wörter. Lautstärke ergibt sich dabei fast von selbst, weil die Stütze arbeitet und die Kehle frei bleibt. Wer früher bei längeren Vorträgen heiser wurde, merkt meist zuerst, dass die Stimme am Ende eines Satzes nicht mehr abfällt. Das ist ein kleines, aber hörbares Zeichen dafür, dass der Atem reicht.

Ihr eigener Text im Raum

Nach etwa der Hälfte der Zeit holen wir Ihren Text hinzu: einen Absatz aus einer Keynote, eine Eröffnung, eine Passage, die Ihnen schwerfällt. Sie sprechen ihn zunächst leise zu mir, dann zur gegenüberliegenden Wand, schließlich in den ganzen Raum. Mit jeder Entfernung verändert sich, wie viel Stütze Sie brauchen.

Ich markiere gemeinsam mit Ihnen die Stellen, an denen der Atem wegbricht, meist am Ende langer Satzbögen. Dort setzen wir Pausen, die nicht nach Luftholen klingen, sondern nach Absicht. Das Ergebnis ist selten spektakulär, aber deutlich: Der Text gewinnt an Ruhe, und Sie hören sich selbst genauer zu, als es im Alltag möglich ist.

  • Absatz leise, dann zur Wand, dann in den Raum
  • Satzenden prüfen, an denen der Atem fehlt
  • Pausen als bewusste Setzung üben

Was wir bewusst weglassen

In unseren Stunden gibt es keine Atemtechnik, die in zehn Minuten alles löst, und keine Pflicht, laut zu werden. Wir arbeiten ohne Mikrofon, ohne Aufnahmegerät und ohne Vergleich mit anderen Teilnehmern. Wer in der Gruppe übt, bleibt in seinem eigenen Tempo, und was dort gesagt wird, bleibt im Raum.

Ebenso verzichte ich darauf, Ihnen eine Stimme beizubringen, die nicht zu Ihnen gehört. Das Ziel ist nicht ein Idealklang, sondern eine Stimme, die Ihr Gewicht hat und Sie nicht ermüdet. Manchmal heißt das, einfach leiser und langsamer zu werden. Diese Entscheidung treffen wir gemeinsam, Satz für Satz.

Was Sie mitnehmen

Am Ende jeder Stunde bekommen Sie zwei oder drei kurze Übungen, die in den Alltag passen: eine für den Morgen, eine für die Minuten vor einem Termin. Sie sind bewusst klein gehalten, denn was täglich fünf Minuten dauert, wird eher getan als eine halbe Stunde, die selten Platz findet.

Beim nächsten Termin besprechen wir, was sich verändert hat und was nicht. Fortschritt zeigt sich hier selten sprunghaft. Er zeigt sich darin, dass ein langer Vortrag am Ende noch Reserve lässt und Sie nach dem Auftritt nicht erschöpft sind, sondern ruhig. Ein Ergebnis lässt sich nicht zusagen, wohl aber die Genauigkeit, mit der wir daran arbeiten.

Gute Stimmarbeit sieht von außen unspektakulär aus: Hände am Rippenbogen, ein leises Summen, ein Absatz Ihres Textes, der Satz für Satz ruhiger wird. Genau darin liegt der Wert. Wenn Sie wissen möchten, wie sich das für Ihren eigenen Auftritt anfühlt, besprechen wir es gern in einem persönlichen Gespräch im Studio.